Der zweite Post

16. April ’26

Morgen gehe ich ins Krankenhaus. Warum? Weil ich am Montag operiert werde. Nochmal. Nochmal eine Bauchspiegelung, nochmal den Bauch durchlöchert bekommen, nochmal kaputt fühlen, nochmal erst nicht normal laufen können, nochmal hoffen, dass die Schmerzmittel reichen, die ich bekomme. Nochmal warten, was das Ergebnis ist. Die Diagnose ist ja da, aber ich weiß so viel noch gar nicht: mein Endo-Grad, wie es um meine potentielle Fruchtbarkeit steht, wie weit die Endometriose fortgeschritten ist.

Normalerweise kann ich mit Stress umgehen. Zumindest so, dass es mich nicht aufhält. Ich kann Dinge gut zur Seite schieben, wenn es sich nicht lohnen würde, sie anzupacken. Weil wieso soll ich mir jetzt Stress machen? Ich kann ja doch nichts ändern. Die OP läuft, wie sie laufen wird und mir wird es danach so gehen, wie es mir eben gehen wird. Nichts davon kann ich im Vorfeld bearbeiten oder mir darum produktive Sorgen machen. Aber seit ein paar Tagen habe ich Kopfweh, meine Schultern sind verspannt, mein Kiefer ist verspannt, mein Ohr pfeift manchmal, mein Rücken tut mehr weh als sonst. Mein ganzer Körper ist voller Anspannung und ich kann es nicht ausschalten. Die meiste Zeit habe ich gar keine aktiven Sorgen. Klar, wenn ich mal zu sehr darüber nachdenke, kommt schon genug, wovor ich Angst habe, aber das passiert nicht dauerhaft. Ich komme aus dem Sumpf schon wieder raus. Trotzdem scheint mein Körper mich anzuschreien.

Über die letzten Monate hinweg war es nicht leicht, den Wunsch nach Gesundheit mit dem Wunsch nach beruflichem Wirken unter einen Hut zu bringen. Ich mache meinen Beruf sehr gerne und ich erfahre dadurch eine Selbstwirksamkeit, die mir guttut. Und um eine Sache habe ich mich besonders bemüht. Dafür gearbeitet, obwohl ich krankgeschrieben war, zwischen verschiedenen Besuchen in der Notaufnahme. Vorgestern habe ich erfahren, dass es an dieser Sache Kritik gibt. Ausgerechnet diese Sache, um die ich mich doch so bemüht habe. Ich musste fast eine Stunde weinen, weil es sich so exemplarisch angefühlt hat. In alles stecke ich so viel Arbeit rein, so viel Zuwendung. Ich versuche, alles richtig zu machen. Das richtige Essen, die richtigen Medikamente, die richtigen Ärzt*innen aufsuchen, die richtigen Momente für Pausen finden. Ich mache und tue und bemühe mich und doch wird nicht alles gut. Meine Verdauung klappt noch immer nicht. Immer wieder erschrecken mich Zwischenblutungen oder Krämpfe. Kleine Siege kann ich kaum feiern.

„The cold never lasts, my darling. It just teaches the heart how to burn.“ singt Raye in ihrer Click Clack Symphony. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber dieses Lied berührt mich so sehr. Weil ich so sehr hoffe, dass sie Recht hat. Dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem ich sagen kann, dass die Kälte nicht angehalten hat. Dass ich dadurch gewachsen bin. Es wird nie der Zeitpunkt kommen, an dem ich sagen kann, dass sich das Alles irgendwie gelohnt hätte. Wie soll das gehen? Nein, dieser Moment, diese Zeit, sie wird auch in der Retrospektive beschissen sein. Aber hoffentlich ist die schlimmste Zeit irgendwann vorbei. Hoffentlich hört die Kälte irgendwann auf.


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